Von Havanna nach Baracoa und zurück

Cuba ist nichts für Warmduscher

Bei einer Radtour, die mich 4000 km um die Insel führte, habe ich bei den Übernachtungen in Hotels, Resorts, Campismos oder in den Casa Particulares (Zimmer in den Häusern der Einheimischen) häufig nur Duschen mit kaltem Wasser vorgefunden. Die Casa`s bieten außerdem Kontakt zu den herzlichen cubanischen Familien und sie sind die beste Möglichkeit sich mit gutem Essen zu versorgen. Zum Frühstück bekam ich häufig viele Früchte (die Papayas sind so groß wie Melonen), Salat, Tortilla, Kaffee, Saft, Käse und Flan des Hauses. Zum Abendessen durft ich an der Küste, zwischen Huhn und frisch gefangenem Fisch wählen, und im Landesinneren gab es häufig etwas vom
 
Schwein oder Huhn. Beilagen waren selbstgemachte Pommes oder gegrillte Kochbananen.
Start- und Endpunkt dieser Tour war die Hauptstadt Havanna. Von dort ging es über das Valle de Vinales mit den Mogoten und zur Mangroveninsel Caja Jutias. Über Pinar del Riofuhr ich zur Westküste mit endlosen Stränden bei Maria la Gorda.
Der Weg nach Osten führte mich über Matanzas in die Touristenhochburg Varadero. Von dort fuhr ich von der Nord- auf die Südseite der Insel in den Zapata National Park. In diesem Sumpfgebiete begegnete ich Krebsen und einer 4 Meter langen und ca. 12 cm dicken Python.
Diese Begegnung ging ohne körperliche Schäden aus. Die psychischen Auswirkungen waren die, daß ich an diesem Abend nun nicht mehr am Strand zelten wollte. Bei Playa Larga in der Schweinebucht, ist ein Hotel mit Bungalows und eine flachen Strand, an dem ich einen schönen Sonnenuntergang sah. Entlang der Küste auf einem Schotterweg fuhr nach Trinidat. In der Altstadt gibt es vielen schöne Kolonialbauten.
 
Auf der Carretera Central ging es in östlicher Richtung bis Holguin. Ich fuhr an die Nordküste nach Playa Los Herraduras. Um von dort auf einer Sandpiste, (die am Strand endete) über Moa in den Nationalpark Alejandro de Humbold zu fahren. Die Straßenverhältnisse in diesem Abschnitt der Tour waren an vielen Stellen so schlecht, das ich an den Strand ausweichen musste und mein Fahrrad auch über einen Fluß, in den Mangroven, tragen durfte. In Baracoa gibt es am Hafen ein Schiffswrack, ein Fortalezza und einige schöne Strände. Die Landschaft um Baracoa ist die regenreichste auf Cuba.
Die Regenschauer waren kurz und heftig, so das ich in kürzester Zeit durchnässt war, wenn ich mich nicht unterstellte.
Als ich dann die Berge bei La Farola überquerte und von einer grünen Klimazone in eine Halbwüste wechselte, begann für mich der landschaftliche Höhepunkt der Reise.
Auf der einen Seite sind die Berge bis zu 2000 Meter hoch, und von Wolken umgeben, und auf der anderen Seite glitzert das Meer bis zum Horizont.
Entlang der Südküste, an Guantanamo , Playa Siboney, Castillo de Morro und Santiago de Cuba vorbei, entfernt sich die Straße häufiger von der Küste.
 
Zwischen Santiago de Cuba und Niquero verläuft die Straße fast nur an der Küste und diese Wegstrecke gehört zu den zehn Schönsten die ich bis jetzt geradelt bin. Die Straße ist sehr wenig befahren und manchmal fehlt die Asphaltdecke und es gibt einige größere Löcher.
Von Niquero führt ein immer schlechter werdende Straße bis ans Cabo Cruz.
Von der Südküste fuhr ich quer über die Insel. Über Manzanillo und Las Tunas auf die Carretera Norte, und kam bei Nuevitas, an die Nordküste. Hier stellten sich Straßen, die auf der Cubakarte eingetragen sind, als etwas bessere Donky Trails heraus, die sich durch den Regen in Schlammpisten verwandelt hatten. Was leider dazu führte, daß mein Fahrrad durch diese klebrige Masse fahruntauglich wurde. Und ich einige Zeit damit verbrachte Bremsen, Kette und Zahnkränze zu reinigen. Das bedeutete nochmal ca. 200 km auf die Carretera Central, durch Carmagüey und Florida, bevor ich wieder an die Nordküste fahren konnte. An der Nordküste sind die Städte Moron und Remedios, wegen der kolonialen Architektur, sehr sehenswert.
 
Beide Städte haben Straßenzüge mit renovierten Kolonialbauten in allen Farben und Formen und mit wirklich schönen Innenhöfen.
Vorbei an Varadero und Matanzas durch das Valle de Yurumi fuhr ich nach Cojimar. Ich radelte um die Bucht, in die Altstadt von Havanna. Vorbei an einem Rest der alten Stadtmauer (ein echt kleines Stück), zum Capitolo (dem "Weißen Haus" in Washington nachempfunden), entlang am Malecon schaute ich mir die vielen Ruinen in Havanna an.
Fazit:
Das Radfahren auf Cuba war sehr angenehm, auch wenn die Straßenverhältnisse manchmal nicht so ideal sind, waren sie viel besser als ich erwartet hatte.
Der Autoverkehr, selbst in Städten wie Guantanamo oder Carmagüey mit 100 000 Einwohnern ist überschaubar, nur die Abgase nahmen mir öfter den Atem.
Verpflegung wurde mir in den Städten, in den Casa`s und an den Straßen auf dem Lande angeboten.
An den Wochenenden werden in den Städten ganze Straßenzüge gesperrt und Party gefeiert. Der Geräuschpegel innerhalb der Städte ist nicht nur deshalb gewöhnungsbedürftig. Grüne Dreiecke an den Türen zeigen an, wo man eine Casa Particular vorfindet. Die Zimmer in den Casa`s haben meist Steinfuß- boden und sind spartanisch, mit antiken Möbeln eingerichtet.